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Der Maulwurf

Aus flauschigem erdbraunem Leib, da ragen stramme Buddelpranken
und strampeln tiefe Höhlen frei, sein Antlitz trüb, ganz schlammverschmiert,
wie wenn bandwurmbesessen man, verfressen nach dem Sattsein giert -
so weist den Mull, der bitter schwitzt und schnauft, kein Weh in seine Schranken.

Wenn Tageslicht ihn doch erwischt, arg blendend an den Augen rührt,
wälzt er den Boden sich entlang, um nicht verstört umher zu schwanken
und drückt die Gräser dadurch platt, die sich der Sonne wegen zanken -
den Kopf versenken kann er nur, wo weiche Erd’ ihn akzeptiert.

So wohlig kühl und alt vertraut, so still ist’s nur im düstren Schacht,
wo er die Welt sich frei verrückt, wo ihm nur seine Uhren ticken;
ja, diesmal gräbt er Richtung Kern, wo keine Lichter nach ihm schicken -

im tiefst verstrickten Raumsystem sind Strahlen leichte Kost der Nacht,
doch ist’s dort kahl und regungslos, dass Einsamkeit die Luft entfacht:
schon bald wird er, der mit der Lunge ringt, fad seufzen und ersticken.

© Jan Lindner 2006

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