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Paul und der kleine Maulwurf

von Monika Wettig - Büschlepp

"Caroline, bist du fertig? Opa Friederich ist gleich da." rief Constanze, die Mama von Caroline nach oben.
"Ja, Mami, ich komme gleich!"
Caroline suchte ihre Sachen zusammen, ihr Lieblingsbuch "Heidi", das kleine Spiel, mit den Figuren und dann suchte sie Paul. Paul war ein kleiner, brauner Teddy. Er hatte schon so viele Abenteuer überstanden, ohne ihn ging Caroline nirgends hin. "
Paul, wo steckst du denn schon wieder?"
Paul, der wieder einmal vor der Fensterscheibe saß, um seinen Freund Andre zu begrüßen, rief mit seiner Stimme: "Hier, ich bin hier!"
"Ach, da bist du ja!" rief Caroline, nahm ihn in den Arm und drückte ihm einen großen Kuß auf die Nase. "Jetzt müssen wir uns aber beeilen, sonst fährt der Opi ohne uns weg. Ich darf heute einen ganzen Tag bei Oma und Opa bleiben, denn Mami fährt zu einem Klassentreffen!"
Sie lief so schnell sie konnte die Treppe hinunter. Unten im Flur stand schon ihr Opi. "Hallo, meine Prinzessin, nicht so schnell, sonst fällst du noch auf die Nase!" sagte er.
Caroline fiel ihm in den Arm, er hob sie hoch und wirbelte ein paarmal mit ihr herum. "Hei, das ist ja wie in einem Karussell, noch einmal Opi!"
"Nein, nein, Caroline, das kann ich nicht mehr, ich bin ein alter Mann!"
"Du und alt!" lachte Caroline: "Du bist doch nicht alt! Der Herr Janssen, der nebenan wohnt, der ist alt, du doch nicht!"
"Naja, ein bißchen jünger wie er bin ich schon, aber das bringt mich auch schon ganz schön aus der Puste! So, nun sage deiner Mami tschüss und dann fahren wir!"
"Tschüss, Mami!" sagte Caroline, gab ihrer Mutter einen dicken Kuß und Constanze gab ihrem Schwiegervater auch einen und sagte: "Grüßt Oma Luise und du, Caroline, paß auf Paul auf, daß er nicht wieder verschwindet!"
" Mache ich und grüße du deine Freundinnen!"
Constanze ging wieder zum Haus. Sie winkte, bis das Auto von ihrem Schwiegervater und Caroline in der Strasse verschwunden war.
"Na, endlich, ich warte schon so lange auf euch!" sagte Oma Luise. Sie stand an der Gartentür, hatte eine weisse Schürze an und lachte.
"Caroline fand mal wieder ihre Utensilien nicht!" lachte ihr Mann.
"Hallo, Oma Luise!" Sie gab auch ihr einen dicken Kuß: "Ich soll dich ganz herzlich grüßen von meiner Mami!" sagte sie.
"Danke, mein Schatz, na und da ist ja auch Paul!" " Hallo, Paul, wie geht es dir?"
Sie nahm Paul auf den Arm, hob ihn hoch: "Du bist der schönste Teddy, den ich je gesehen habe!" sagte sie. Caroline strahlte, das hörte sie gerne.
"So, jetzt hinein mit euch, ich habe dir schon Malstifte und eine Menge Papier hingelegt, die Schaukel wartet auch schon auf dich!"
Caroline legte ihren Koffer ab und lief zu dem Schaukelgestell. Sie legte Paul auf den Rasen und setzte sich dann in die Schaukel und schon ging es los. Die Beine hoch und zurück, der Schwung wurde immer größer und sie konnte schon über die Hecke von Tante Anne sehen. Tante Anne war Omis Nachbarin, hier in der schönen Kleingärtnersiedlung.
Paul, der sich selbst überlassen war, krabbelte weiter.
"Komisch!" meinte er: "Hier waren doch sonst nicht so viele Berge!" Er krabbelte über einen großen, braunen Rand und plumps, rutschte er in eine große Kuhle hinein.
"Hilfe, hilfe, wo bin ich?"
"He, wer schreit denn hier so und würdest du mal bitte aufstehen, du liegst auf meinem 98. Fuß!"
"Wer bist du denn und wieso hat du 98 Füße?" fragte Paul verdutzt.
"Ich bin ich eine Raupe und ich heisse Willibald und ich bin einTausendfüßler!"
"Was, du hast tausend Füße? Ach du Schreck, das stelle ich mir aber schwer vor, tausend Schuhe zu putzen!"
"Was sind denn Schuhe und was ist putzen?"
"Na, du bist aber dumm!" sagte Paul und stand auf, um Willibald nicht zu erdrücken: "Schuhe haben die Menschen an und der Papi meiner Mami Caroline putzt sie immer!"
"Mami, Papi habe ich auch, aber die haben keine Schuhe an!" "Sag mal, wie heisst du denn und bist du ein Hase?"
"Ha, ha, ich bin doch kein Hase, ich bin ein Teddy und heiße Paul!"
"Na dann, Guten Tag Paul, was möchtest du denn hier unten?"
"Meine Teddymutti Caroline spielt im Garten und ich wollte mich ein wenig umschauen, dabei bin ich hier hinein geplumpst! Was machst du denn hier unten, Willibald?"
"Ich wollte etwas zum Essen suchen, außerdem wollte ich meinen Freund besuchen!"
"Du hast auch einen Freund? Wie heisst er denn und hat er auch 1000 Füße?"
"Nein, nein, er heißt Artur und ist ein Maulwurf!"
"Aha, kenne ich auch nicht, was macht denn ein Maulwurf?"
"Na, wo wohnst du denn, wenn du nicht weisst, was wir hier unter der Erde machen?"
"Ich?" sagte Paul: "Ich wohne in einem schönen Zimmer, mit vielen Puppen, Büchern, CDs und vielen Krimskrams zusammen. Was glaubst du, was nachts immer los ist, wenn Caroline schläft! Dann tanzen wir und erzählen uns Geschichten, die wir alle in unserem Teddy- oder Puppendasein schon erlebt haben!"
"Na, da hast du es aber fein, wir müssen jeden Tag aufs neue los und uns etwas zu essen suchen!" sagte Willibald.
"Hast du Lust, mit mir mitzukommen, zu Artur?"
"Gerne!" sagte Paul und er versuchte hinter Willibald in die Erde zu kriechen, aber das funktionierte nicht.
Willibald war schon um die nächste Ecke, Paul steckt in dem Loch fest. Nach einiger Zeit vermißte Willibald Paul. Er krabbelte den Wege zurück, es dauerte eine ganze Weile, dann endlich, Paul steckte mit dem Kopf zuerst im Loch, seine Beine hingen hinten raus, es war zum lachen.
"Hi, hi, hi, wie sieht das denn aus? Sag mal, willst du den ganzen Tag so da drin stecken?"
Paul konnte sich nicht mehr bewegen, hinten ging nichts, nach vorne aber auch nicht.
"Warte, nur einer kann dir jetzt helfen, ich hole Artur!" rief Willibald und war schon wieder weg. Paul sah nur noch die letzten Füße und dann nichts mehr. "Wäre ich man nicht so neugierig gewesen, dann wäre ich noch bei Caroline, daß habe ich jetzt davon!" dachte Paul.
Es dauerte eine ganze Weile, da merkte Paul, daß die Erde neben ihm zur Seite wegrutschte. Endlich konnte er sich wieder hinsetzen. Er sah vor sich einen schwarz - braunen Gesellen, er hatte ein spitzes Maul und ganz scharfe Krallen an den Händen. Dieser sagte: " Hallo, ich heisse Artur und du bist Paul?"
"Ja, das bin ich. Danke Artur, daß du mich aus meiner unbequemen Lage befreit hast!"
"Oh, bitte, nichts leichter als das, ich mache es ja den ganzen Tag!" sagte Artur.
"Was machst du den ganzen Tag, befreist du den ganzen Tag Teddys?"
"Nein, ich bin doch ein Maulwurf, ich grabe mich durch die Erde, und wenn ich einen neuen Tunnel haben möchte, weil der alte zusammen gefallen ist, grabe ich mich bis zur Rasenoberfläche durch! Willste mal mitkommen, dann stelle ich dich meiner Familie vor!"
Oh ja, gerne!" sagte Paul: "Hoffentlich passe ich auch mit in die Tunnel!"
"Das geht schon, aber dort, wo Willibald hinein geht, da kannst du nicht rein!"
"Das habe ich auch gemerkt, ihr habt ganz schön gelacht, über mich!"
Artur lief vor und Paul hinterher. Es war ein ziemlich großer Gang, er führte sehr steil nach unten. Es war ziemlich dunkel hier unten und Paul konnte sich erst spät an die Dunkelheit gewöhnen. Artur war schon unten, als er Paul rief: "Wo steckst du denn, Paul?" Paul konnte nicht antworten, er pustete, denn das Laufen fiel ihm schwer, denn meist wurde er ja getragen. Er lief und lief und auf einmal prallte er gegen Artur und beide purzelten noch ein paar Meter weiter.
"Halt, nicht so schnell, wo willste denn so schnell hin?"
"Ich habe dich nicht gesehen, es ist hier ja so finster, ich sehe die Hand vor Augen nicht!" jammerte Paul.
"Das haben wir Tiere dir und den Menschen wohl voraus, denn wir können auch im Dunkeln sehn!"
"Paul, darf ich dir meine Familie vorstellen?" "Das ist meine Frau Klara und meine 5 Kinder Tobias, Hans, Artur, der Zweite, Amalia und unser Nesthäkchen Susi!" "
Hallo, ich heisse Paul und ich bin ein Teddy!"
"Na, Paul, dann setze dich bitte hierher. Wir wollten gerade essen, magst du auch etwas?"
Paul, der schon so einen Kohldampf hatte, nickte. Er setzte sich neben Artur, den Zweiten und suchte nach dem Teller und dem Besteck, er kannte es ja von den Winklers, Carolines Eltern. Neben ihm schmatzte schon Susi.
"Hallo, Paul, mach den Mund auf, ich gebe dir etwas ab!" sagte sie und schob Paul etwas in den Mund. Dieser schmeckte den eigenartigen Geschmack und spuckte das "Etwas" wieder aus.
"Igiiite, was ist denn das für ein Essen?" rief er: "Das kann man doch nicht essen!"
Er schüttelte sich und jetzt sah er erst, daß alle Kinder und auch Klara und Artur Insekten auf ihrem Tisch hatten und sie diese genüßlich aßen.
"Ich glaube, ich muß jetzt aber rasch wieder zurück! " meinte er, ehe sie ihn aufforderten, noch einmal etwas zu probieren. Artur meinte: "Komm Paul, ich kann dich ja verstehen. Ich weiß, daß die Menschen etwas anderes essen. Ich habe auch schon oft probiert, denn wenn ich meinen Tunnel nach oben fertig hatte und die Menschen nicht im Garten waren, habe ich uns oft auch einen Apfel oder eine Zwetschge mitgebracht! Komm, denn ich glaube nicht, daß du hier wieder hinaus findest!"
"Da magst du Recht haben, das weiss ich nicht! Ich wünsche noch guten Appetit und wenn ihr mal Lust habt, könnt ihr doch mal nach oben kommen. Oma Luise und Opa Friederich haben bestimmt nichts dagegen und Oma backt den besten Kuchen der Welt, den müßtet ihr einmal probieren. Ich werde euch nachher ein kleines Stückchen in euren Tunnel legen!" sagte er und kroch wieder hinter Artur her. Diesmal ging es ganz schnell, denn sie nahmen Tunnel 5, er war ganz nah neben dem Schaukelgestell.
"Friederich!" rief Oma Luise: "Hier ist schon wieder ein neuer Maulwurfshügel, du wolltest doch etwas dagegen tun!" hörten sie sie beide sagen.
"Siehst du, Paul, die Menschen schimpfen immer, wenn sie die Hügel sehen. Sie machen sich gar keine Gedanken darum, sie sehen nur die Hügel, wissen nicht, daß wir auch leben wollen, denn das hier unten ist unsere Heimat!" "Tschüss dann, vielleicht sehen wir uns einmal wieder!" dann verschwand er. Paul sah ihm nach.
"Paul, Paul, was machst du denn hier in dem Erdloch und dann noch kopfüber? Außerdem bist du ganz staubig, na komm, ich werde ich erst einmal reinigen!" Sie nahm ihn, streckte ihn so vor sich her, daß sie ihr schönes Kleid nicht schmutzig machte und ging in die Laube, um ein Tuch zuholen.
"Guck mal Oma Luise, wie schmutzig Paul ist!"
"Ja!" sagte ihre Oma: "Es ist schlimm mit den Hügeln, den die Maulwürfe machen. Sie machen uns die ganze Rasenfläche kaputt, Opa muß noch etwas im Baumarkt holen, damit wir wieder einen schöneren Rasen bekommen!"
Paul dachte nur: "Na, da habe ich ja noch alle Hände voll zutun, um den Menschen zu erklären, daß auch Maulwürfe leben wollen, auch wenn sie ab und zu eine Rasenfläche verunstalten!"
Nach ein paar Stunden, die Caroline wieder mit Spaß und Freude verbracht hatte, sagte Opa Friederich: "So, mein Schatz, jetzt fahren wir wieder zu Mami und Papi!"
Opa Friederich fuhr sie beide wieder nach Hause und in der Nacht träumte er von Klara, Artur, Tobias, Hans, Artur, dem Zweiten, Amalia und Susi, den Maulwürfen und von seinem Freund Willibald, der Raupe, mit den 1000 schuhlosen Füßen.

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