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Der Maulwurfgärtner

von Otmar Heusch 23.03.2001

der Rasen ist des Gärtners Zier
dafür bekämpft er jedes Tier
was in ihm scharrt oder auch weidet
um seinen Rasen ist er gern beneidet

was drückt sich aus dem Boden raus
sieht aus fast wie ein Humusstrauß
der Gärtner ist nicht leicht erschrocken
die Stelle wird zum Humusbrocken

wo vorher war noch zartes Grün
und auch ein Krokus war am blühn
ist jetzt ein Hügel schwarz und rund
des Gärtners Wangen werden bunt

er zieht die Jägerstiefel an
und schleicht sich an den Hügel ran
den Spaten hält er in der Hand
schon steht er an dem Hügelrand

die Erde die bewegt sich schon
der Gärtner hofft auf seinen Lohn
sticht tief den Spaten in den Haufen
als wollt er einen Brunnen taufen

er stemmt sich feste in die Hüfte
wirft dann die Erde in die Lüfte
und als der letzte Brocken regnet
ein schwarzes Tierlein ihm begegnet

da liegt der Maulwurf klein und dick
der Gärtner starrt mit Jägerblick
er denkt noch heute tief benommen
wie konnte es zu diesem kommen

dass er nicht das was viele tun
was Gärtner sonst tun um zu ruhn
dem Maulwurf nach dem Leben trachten
und seinen Daseinswunsch missachten

stattdessen streckt er seine Hand
nun nach dem Maulwurf mit Verstand
und hebt ihn hoch bis zu dem Kinn
und spricht mit ihm in diesem Sinn

da Gott uns beide hat gewollt
und jedem Leben Achtung zollt
darfst du in meinem Rasen wohnen
mit Rücksicht sollst du mich belohnen


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