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Talpa europaea

Körper

Walzenförmiger, "halsloser" Körper. Sehr große, seitwärts gestellte Grabschaufeln. Rüsselartige Schnauze. Schwanz sehr kurz. Fell schwarz, sehr kurz, ohne Strich. Gewicht 80-100 g. Ohren im Fell verborgen ohne Muscheln. Augen mohnkorngroß, meist vom Fell überdeckt. Fell samtartig, anthrazitfarben, kurz dicht und ohne Strich. Kräftiges Gebiß. Verschiedene Farbvarietäten und Ökotypen.

Verbreitung

Der Maulwurf ist in ganz Europa mit Ausnahme einiger Gebiete im Mittelmeerraum, in Nordskandinavien sowie in Nord- und Südrußland verbreitet. Ursprünglicher Laubwaldbewohner, der lockeren, fruchtbaren und humosen Boden in Gärten, Wiesen, Weiden und Kulturflächen mit einem erreichbaren Grundwasserstand in 0,5-2 m Tiefe bevorzugt. Ausgesprochen nasses Gelände, wie z.B. Hochmoore oder trockene und sandige Böden meidet der Maulwurf. Besonders häufig tritt er jedoch in entwässerten und meliorierten Feuchtgebieten auf.

Lebensweise

Maulwürfe leben i.d.R. solitär und sind gegen Artgenossen und andere Wirbeltiere wie z. B. Mäuse unverträglich. Nur in der Zeit von Ende April bis Anfang Juni, wenn das Weibchen brünstig wird, paaren sich die Geschlechter). In dieser Zeit kommen sie manchmal an die Erdoberfläche, z.B. um Laub für den Nestbau einzutragen. Gelegentlich wurden auch heftige Kämpfe von Rivalen beobachtet. Nur einmal im Jahr wirft das Weibchen nach einer Tragzeit von etwa 22 Tagen 3-4 weißlich gefärbte Junge. Freilebende Maulwürfe werden kaum älter als 3 Jahre.
Ungefähr alle 3 bis 4 Stunden oder angelockt durch besondere Geräusche, durchsucht der Maulwurf seine Gänge und versucht die eingedrungenen Tiere zu erbeuten. Gelegentlich fallen ihm dabei Wühlmäuse, ja sogar Schlangen zum Opfer. Aber er gräbt auch aktiv nach Nahrung, besonders im Winter, wenn die Bewegung der Bodentiere eingeschränkt ist, bzw. viele Tiere als Ei, Puppe oder enzystiert im Boden ruhen.
Der Maulwurf gräbt also ein Gangsystem in ähnlicher Absicht wie ein Spinne ein Netz spinnt. In sein Labyrinth geraten vor allem Bodeninsekten, vor allem Regenwürmer bei ihrer täglichen Migration durch verschiedene Bodenhorizonte. Mit seinem dichten und kurzen Fell ohne Strich verdichtet und glättet er die Wände der unterirdischen Gallerien. Die Tiere, die sich in seinem Gangsystem verirrt haben, können deshalb nicht so rasch entweichen. Meistens liegt er wie ein kleiner Minotaurus im Kessel seines Baus und lauscht auf Geräusche in seinem Labyrinth. In seinen Gängen greift er nahezu alle Tiere an, die sich dort bewegen.
Täglich verzehrt der Maulwurf etwa halb soviel Nahrung wie er selbst wiegt. Es besteht heute weitgehend übereinstimmung darin, daß der Maulwurf nur tierische Kost verwertet. Pflanzenteile werden nur zufällig, z.B. beim Graben oder beim Verzehr der Beute mitaufgenommen.

Gangsystem

Für seine unterirdische Tätigkeit legt der Maulwurf ein ausgedehntes Gangsystem meist mit mehreren Nest- und Vorratskammern an. Die Alttiere leben fast ausschließlich unterirdisch und graben ihre Gänge bis in eine Tiefe von 2 m. Junge Maulwürfe bewegen sich häufiger an der Oberfläche und legen zunächst flach liegende Gänge in geringer Bodentiefe von l0 - 30 cm an. Im Gegensatz zu den hochovalen Gängen der Schermaus (Arvicola terrestris) sind die Röhren des Maulwurfs meist queroval oder rundlich. Der Maulwurf gräbt fast ausschließlich mit seinen spezialisierten, seitlich abstehenden Grabhänden. Die Schermaus benutzt dagegen zu diesem Zweck häufig ihre meißelartigen Nagezähne und alle vier Pfoten. Die Länge der Gänge beträgt beim Maulwurf oft mehr als 100 m, bei der Schermaus erreichen sie selten 50 m.
Beim Graben dreht sich der Maulwurf gelegentlich um die Körperlängsachse. Die losgekratzte Erde wird z.T. an den Wänden mit den Grabhänden und dem Körper festgepreßt und geglättet, z.T. auch an die Erdoberfläche hinausgeschoben. Dabei legt der Maulwurf, wie GOODFREY & CROWCROFT (1960) hinter Glasscheiben beobachtet haben, eine Grabhand vor den Kopf, benutzt sind sie also wie ein "Räumschild eines Bulldozers" und schiebt so das gelockerte Erdreich vor sich her, indem er sich mit den drei anderen Beinen in seinen Gängen abstemmt. Die etwa 10 bis 20 cm lange Erdsäule drückt er i. d. R. mit 3-4 Stößen senkrecht nach oben an die Erdoberfläche. Die frisch aufgeworfenen Maulwurfshaufen sind demnach spitzkegelig und liegen direkt über dem Gangende im Gegensatz zu den verwühlten, flachen und meist kleineren Haufen der Schermaus, die seitlich neben der Ausmündung des Ganges an der Erdoberfläche liegen.
Im Winter ist die Grabtätigkeit des Maulwurfs am größten. An einem Tag gräbt er dann bis zu 10 m neue Gänge und wirft im Durchschnitt fast täglich einen Haufen auf.

Wirtschaftliche Bedeutung

Kein anderes Säugetier wurde in der Vergangenheit so unterschiedlich im Hinblick auf Nutzen und Schaden beurteilt wie der Maulwurf. Bis zum 19. Jahrhundert galt er wie alle bodenbewohnenden Tiere als schädlich. Bis in die jüngste Zeit hinein glaubte man, daß er neben tierischer auch pflanzliche Nahrung aufnimmt, was inzwischen als irrig festgestellt wurde. Neben Regenwürmern verzehrt der Maulwurf auch viele schädliche Bodentiere, wie z. B. Engerlinge. Von Forstverwaltungen wurde daher mehrfach der Versuch unternommen, ihn in Baumschulen und Anpflanzungen, die unter Engerlingen stark zu leiden hatten, einzubürgern. Der Erfolg dieser Aktionen blieb jedoch zweifelhaft. In den vorwiegend sandigen Böden, in welchen die Gänge zusammenfielen, hat sich der Maulwurf nicht halten können. Sie gingen zugrunde oder wanderten in geeignetere Reviere aus.
Bei allem Nutzen als Schädlingsvertilger kann man jedoch den Maulwurf in Saat- und Verschulbeeten nicht dulden, da er durch seine WÜhlarbeit junge Pflanzen hohlstellt und zum Absterben bringt.
Der indirekte Schaden, den er als Regenwurmfresser anrichtet, wird dagegen häufig überschätzt. Selbst wenn er sich ausschließlich von Regenwürmern ernähren würde, könnte er infolge der großen Fruchtbarkeit der Regenwürmer doch nur einen geringen Teil ihrer Nachkommenschaft vertilgen.

mit freundlicher Genehmigung von Forst. Uni Muenchen

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