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Tastsinn / Orientierung

Der Maulwurf zeichnet sich in der Tat durch einen nur minimal entwickelten Gesichtssinn aus. Statt dessen verfügt er über einen stark dominierenden Tastsinn mit vier Schwerpunktregionen: Rhinarium (Rüsselscheibe), Vibrissen ("Schnurr"-Haare/Tasthaare im Gesichtsfeld), eine Tasthaarmanschette im Handwurzelbereich und einen Tastschwanz.

Die Sinushaare (Spür- oder Tasthaare, Vibrissen) des Maulwurfs erreichen maximal 10 mm Länge. Sie beschränken sich im wesentlichen auf Schnauzen- und Rüsselbereich. Um Haare mit Tastfunktion haldelt es sich allerdings ebenfalls bei dem steifen Borstenkranz oberhalb des Handgelenks. Auch die Schwanzspitze mit ihren derben Haaren überträgt Tastreize.

Tastsinn und Gehör befähigen Maulwürfe zur Rezeption von Erschütterungen. Die hochentwickelte Leistungsfähigkeit des Tastsinnes, zum einen durch die Vibrissen und Leithaare, zum anderen durch das Eimersche Organ in der Tastfläche des Rüsselnäschens, liefert dem Maulwurf flächenhafte Tastbilder hoher Auflösungsqualität.

Im Gegensatz zu anderen Haartypen steht die Vibrisse in einer flüssigkeitserfüllten Tasche, so daß sie im Fell seitlich verstellt werden kann. Dabei wird der mechanische Reiz vervielfacht und auf eine Anzahl von Rezeptorzellen im Haarbald übertragen. Somit sind die Bewegungen einzelner Tasthaare in der Lage, Informationen über Richtung, Stärke, Folge der Einzelreize und Dauer des auf das Sinneshaar enwirkenden Tastreizes weiterzuleiten. Die Reizaufnahme aller beteiligten Sinneshaare einer Körperregion stellt somit das Datenmaterial zur Verfügung, aus dem im Zentralnervensystem ein fein strukturiertes Tastbild zusammengesetzt wird, auf dessen Basis das Tier nunmehr entsprechend zu reagieren vermag.

Jedes einzelne Eimersche (Tast-)Organ der Maulwurfnase ist an seiner Basis von einem weiträumigen blutgefüllten Sinus umgeben und sitzt auf einem Geflecht von Tastnerven. Von diesem Nervenkomplex verlaufen freie Nervenenden in die Außenhaut: Wird das Eimersche Organ gereizt, kann es sich auf seinem "Wasserbett" bewegen; auf diese Art und Weise wird der Tastreiz mechanisch zu den freien Nervenenden übertragen - über die Tastnerven zum zentralen Nervensystem.

QUELLE: Der Maulwurf: Talpa europaea / Günter R. Witte. – Magdeburg: Westarp-Wiss., 1997 (die neue Brehm-Bücherei, Bd. 637)

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