Maulwürfiges--->Der kleine Maulwurf--->Miler

Zdenek Miler und der kleine Maulwurf

Wenn der tschechische Zeichner Zdenek Miler nicht über einen Maulwurfshügel gestolpert wäre, auf einem Spaziergang, vor beinahe fünfzig Jahren, dann hätte es ihn nie gegeben, den Maulwurf als Zeichentrickfigur. Denn draußen in der Natur sind Maulwürfe eher unscheinbar, wenn nicht gar hässlich. Sie meiden die Sonne und werden allenfalls in Gärten gesichtet, wo man sie unbarmherzig verfolgt, weil sie die Beete mit den Zwiebeln und Karotten umpflügen. Ans Licht gezerrt, erweist sich die Kreatur als kleinbeaugt mit stumpfschwarzem Fell. Ausgestattet mit einem amorphen Körper, aus dem nackte Scharrpfoten ragen. Also null Kindchenschema und damit eigentlich untauglich fürs Kinderzimmer...

Kreativ gestolpert

Aber Zdenek Miler, der über einen Maulwurfhügel stolpert, versucht es trotzdem. Drei Monate braucht er, bis er endlich einen Entwurf hat, der ihm gelungen erscheint. Anatomisch hat er entscheidende Veränderungen vorgenommen - anstelle der zusammengekniffenen Schlitze setzt er große wache Augen, dazu eine blitzende rote Nase und hübsche runde Händchen. Mit dem Maulwurf hat endlich auch die Tschechoslowakei einen Liebling für die Kinder - denn alles andere an kleinen Tierchen hatte Disney sich schon vorgenommen.
Der Schöpfer des "Maulwurf" lernte zunächst Fotografie an der staatlichen Grafikschule in Prag, dann folgte ein Studium an der Prager Kunstgewerbeschule. So hat Miler also reichlich Erfahrung, als er die Figur kreiert, die ihm sehr schnell Erfolg bringen wird. 1956 wird der erste Film gezeigt - "Wie der Maulwurf zu seiner Hose kam". Er ist ganze zwölf Minuten lang, läuft als Vorfilm in den Kinos und gewinnt auf Anhieb einen Silbernen Löwen in Venedig. Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Seit vierzig Jahren und mindestens zwei Generationen verschönt der Maulwurf nun schon Kindheiten. Und das in mehr als 80 Ländern. Warum aber?

Freundschaft über alles

Das Kindchenschema allein kann es nicht sein. Es ist die Welt, in der der kleine Maulwurf lebt. Gemeinsam mit seinen Freunden wohnt er in einem Wald, der noch keinen sauren Regen kennt, eingebunden in die Zyklen der Jahreszeiten. Die Geschichten vom kleinen Maulwurf spielen in einer heilen Welt, in der es aber auch kleinere Konflikte und Notsituationen gibt. Und die lassen sich vor allem durch die Solidarität der Freunde untereinander lösen. Man spielt, musiziert und zeltet gemeinsam. Man erlebt Abenteuer, lacht und weint. Der Maulwurf lernt dabei exemplarisch für die Kinder. Er lernt zu teilen und zu verzeihen, er begreift, dass das Schenken ebenso schön ist, wie das Beschenktwerden. Und vor allem lernt er, dass es immer einen Ausweg gibt, wenn man Freunde an seiner Seite hat. Freundschaft geht dem Maulwurf über alles.

Lachen, Seufzen, Weinen, Staunen...

Im Film ist der Maulwurf noch mal liebenswerter, denn hier läuft Kommunikation ohne Worte und somit international verständlich. Unterlegt sind die fünfminütigen Abenteuer mit wunderschöner, altmodisch orchestrierter Filmmusik. Der Maulwurf aber seufzt und giggelt, lacht und weint so mitreißend, dass selbst Erwachsenen die Tränen in die Augen treten. Und seine Laute sind legendär - das staunende "Oh", ein freudiges "Juuu!" und das "Ahoi!" zur Begrüßung.
Glücklicherweise gibt es den kleinen Maulwurf auch heute noch. Als fester Bestandteil der "Sendung mit der Maus", in der er am 6. Februar 1972 mit seinem berühmten Auto Premiere hatte, findet der kleine Maulwurf auch in Zeiten von Tubbies und Tweenies, Dragonball und Pokemon seinen Weg in die deutschen Kinderzimmer. Aber auch in Büchern, auf Postern und in Computerspielen ist er präsent. Er ist somit eine der wenigen Figuren, aus der glorreichen Zeit der tschechischen Illustrationskunst, die sich, wie es so schön heißt, "Auf dem Markt behaupten konnten". Vielleicht liegt das auch daran, dass der Erfinder den Charakter des Maulwurf im Wesentlichen so beibehielt, wie er ihn ursprünglich geschaffen hatte.

Herzlichen Glückwunsch!

Der Trickdesigner, Autor und Regisseur, Zdenek Miler ist inzwischen über 80 Jahre alt und arbeitet auch heute noch selbst an seiner berühmtesten Figur. Alle Zeichnungen entstehen in Handarbeit, ohne Computer und das, obwohl sein Team von acht auf zwei Animateure zusammenschmolz. In der Werbung verdient man eben besser. Der große alte Mann des tschechischen Trickfilm bedauert das Verschwinden der starken Kinderfilmproduktion, die sich nach dem Wegfall staatlicher Subventionen international nicht behaupten konnte.
Für seinen Maulwurf allerdings sieht die Zukunft rosig aus. Gerade bringt der Leipziger Leiv Verlag viele der Maulwurf-Bücher in neuer Ausstattung, aber auch ganz neue Geschichten heraus. Und am 23. März (2002) kommt (kam) der Maulwurf in die bundesdeutschen Kinos. Da können dann Eltern und Kinder gemeinsam mit dem Maulwurf lachen, weinen, kichern und seufzen - und staunen natürlich..."Ahoi!"

Quelle: 3Sat 22.02.2002
Mit freundlicher Genehmigung von 3Sat


Themenübersicht