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Die Maulwurfsgrille

Die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa), auch als Werre, Erdwolf oder Erdkrebs bezeichnet, gehört u.a. zusammen mit den Heuschrecken zur zoologischen Insektengrupper der Geradflügler. Dieses urtümliche Insekt - erste Funde belegen sein kontinuierliches Vorkommen seit über 35 Millionen Jahren - ist ausgewachsen etwa 4-5 cm lang, braun (bis auf die gelben Flügel und die hellere Bauchseite) und besitzt auffallende, viergliedrige Vorderfüße, die ihm als Grabschaufeln dienen.

Grabbein der Maulwurfsgrille
Foto mit freundlicher Genehmigung der
Versuchsanstalt für Gartenbau an der FH Weihenstephan

Gleichfalls auffallend ist das fein behaarte, robuste Halsschild:
Halsschild
Foto mit freundlicher Genehmigung von FiBL, Frick

Die ausgewachsenen Tiere besitzen zwei Paar Flügel ; der hintere endet dabei in zwei spitzen Fortsätzen, die über den Hinterleib hinausragen. Die Entwicklung der Tiere erfolgt über Eier, mehrere (5-6) ungeflügelte Larvenstadien zum geflügelten Vollinsekt.

Die unterirdische, versteckte Lebensweise in Verbindung mit den schaufelartigen Grabbeinen (somit ähnlich dem Maulwurf) und durch die Lautäußerungen der geschlechtsreifen Tiere, insbesondere der Männchen im Frühjahr (ähnlich der Grillen) führten zur Namensbildung.

Die Maulwurfsgrille kann sich, sowohl unter- als auch oberirdisch sehr geschickt vor- und rückwärts bewegen - zudem ist sie ein guter Schwimmer und Taucher - und ist bedingt flugfähig. Ein Springvermögen besitzt sie nicht. Sie bildet flach unter der Narbe liegende fingerdicke, waagerechte Gänge aus. Zum tiefer gelegenen Nestbereich gehen die Gänge senkrecht herunter; in unmittelbarer Nestnähe sind sie jedoch spiralig angeordnet.

Die Paarungszeit der dämmerungs- und nachtaktiven Tiere liegt im April/Mai. Die Geschlechterfindung erfolgt oberirdisch über einen Schrillapparat (Zirpen der Männchen), die Begattung jedoch in der Regel unterirdisch. Nach der Befruchtung sucht das Weibchen einen günstigen, von der Sonne beschienenen Platz für das Nest. Dies kann im Rasen dazu führen, daß das Weibchen alle darüber liegenden Graswurzeln abbeißt, um eine starke Besonnung des Bodens zu erreichen. Das Nest ist nach Fertigstellung etwa taubeneigroß, verfestigt, innen geglättet und mit 200 bis 300 gelben Eiern (2mm) gefüllt; das Nest liegt in einer Tiefe von etwa 20-25 cm. Jedes Weibchen baut in 3-4 Monaten (ca. Mai-Juli) mehrere Nester. Nach wenigen Wochen kommt es zum Schlupf der ungeflügelten Larven (ameisenähnliches Aussehen), die sich rasch zum zweiten Stadium häuten und dann auch bald das Nest verlassen. Fraßschäden treten ab dem zweiten Larvenstadium auf. Die Gesamtentwicklungsdauer beträgt 1,5 bis 2 Jahre. Die erste Überwinterung erfolgt in tieferen Bodenschichten als drittes Larvenstadium ("Winterschlaf"). Werden die Tiere entdeckt, graben sie sich rasch in den Boden ein, ihre stromlinienförmige Einheit aus Kopf und Halsschild wirkt dabei wie ein Pflug.

Text: Institut für Botanik und Pflanzenschutz (Dipl.-Ing. Thomas Lohrer)

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