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Allgemeines und Spezielles

Wer guckt denn da?
Ein kurzhaariger Insektenfresser mit einer besonderen Freßvorliebe für die vielgelobten Regenwürmer, den kaum jemand so richtig zu Gesicht bekommt, sorgt durch seine unterirdische Lebensweise ständig für Gesprächsstoff im Garten: Der Europäische Maulwurf Talpa europaea. So innig der kleine, samtpelzige "Grabowski" in Kinderbüchern schnell alle Sympathien gewinnt, so verspielt er diese ebenso rasch, sobald er mit seinen oft zahlreichen Erdhaufen unter Rasenflächen, Gemüsebeeten oder anderen ansonsten gepflegt erscheinenden Grünanlagen seine Leidenschaft für ausgiebige Grabeexpeditionen allzu "häufig" unterstreicht.
Unser europäischer Maulwurf hat sich hervorragend an seinen sandig bis lehmigen Lebensraum angepaßt. Die Vorderbeine sind zu mächtigen Grabeschaufeln umgewandelt, der walzenförmige Körper bleibt dabei äußerst gelenkig, so daß Talpa in der Lage ist, sich per Rückwärtsrolle im engen Gang zu drehen, um anschließend wie ein Bulldozer das zuvor nach hinten geschaufelte Erdreich zum Ausgang in Richtung des nächstgelegenen Maulwurfhaufens zu befördern.

Das Leben fast ausschließlich in tiefer Dunkelheit hat die Augen zu stecknadelkopfkleinen sehschwachen Organen reduziert, während sich die rosarote Schnauze, rüsselartig verlängert, zu einem hervorragenden Riech- und Tastorgan entwickelt hat, das an Sensibilität kaum noch zu übertreffen ist. Wer die zitternd vibrierenden Suchbewegungen des empfindlichen Schnäuzchens von Talpa schon einmal beobachten konnte, hat einen Eindruck davon bekommen, wie intensiv diese Spürnase geruchsbestimmte Reize aufnimmt.
Das nur dürftig behaarte kurze Schwänzchen dient quasi als rückwärtiger Blindenstock, über den sich der Maulwurf genauestens informiert, was so hinter seinem flauschigen Rücken passiert.

Flinker "Flüchtling"

Maulwürfe können äußerst flink graben. Ein (illegal) soeben mit dem Spaten ans Licht befördertes Tier versucht, in Sekundenschnelle wieder im erdigen Untergrund zu verschwinden. Die schnelle Flucht ist auch nötig, denn seine natürlichen Feinde sind vor allem Raubvögel wie Waldkauz, Schleiereule, Steinkauz und Mäusebussard. Aber auch Füchse und Marderartige wie Hermelin oder Iltis verachten den etwa 60 bis 100 Gramm schweren Kleinsäuger nicht.
Hinsichtlich der Grabeleistungen stößt man auf sehr unterschiedliche Angaben. Entscheidend für das Ausmaß des jeweiligen Gangsystems sind die jeweilige Bodenart, die Witterungsverhältnisse und die Nahrungsergiebigkeit des Standortes. Hat der Maulwurf erst einmal sein Mindestgangsystem inklusive der Belüftung, der Wohnung sowie seiner Speisekammern angelegt, gräbt er nur das Nötigste, um seinen allerdings gewaltigen Hunger zu stillen.
Nur zur Paarungszeit im Frühjahr legt er einige Sonderschichten ein, um auf diese Weise in das Revier eines benachbarten Weibchens zu gelangen. Zu übrigen Zeiten patroulliert der ungesellige Einzelgänger von seiner weich gepolsterten Wohnung aus seine Jagdgründe, die er drei bis viermal am Tag auf Nahrung hin inspiziert.
Bei einem durchschnittlichen Fleischverzehr von etwa zwei Kilogramm im Monat muß das kleine Pelztier ein Jagdrevier von 300 bis 400 Metern unterhalten. Je kleiner die Fläche ist, desto ergiebiger sind hier die Regenwurm- und Schnakendichten, zwei Bodentiere, die ganz oben auf dem Speiseplan des notorischen Hungerleiders stehen.


Regenwurmbestände gefährdet?

Bei seinem guten Appetit und seiner Vorliebe für die von uns so geschätzten Regenwürmer stellt sich die Frage, ob Maulwürfe die Regenwurmbestände im Boden schädigen. Alle bisher daraufhin angelegten Untersuchungen konnten keine nachweisbaren Verluste feststellen, so daß der zu den Insektenfressern zählende Säuger nur vom ständigen Überfluß der so erfolgreich den Boden besiedelnden Würmer profitiert.
Merkwürdig ist seine Bevorratung mit Würmern vor allem in den Winter- und Frühjahrsmonaten in extra dazu angelegten Speisekammern. Dort stapelt er mitunter mehrere hundert Regenwürmer, nachdem er diesen zuvor den Kopf sowie die ersten Körpersegmente abgebissen hat. Ohne Gehirn sind die Tiere dann orientierungslos. Das fehlende Vorderende verhindert aber auch jegliches Eingraben der Würmer, denen somit die Flucht vor ihrem Räuber unmöglich gemacht wird.
Als reiner Fleischfresser interessieren den Maulwurf nur tierische Objekte und in Ausnahmen deren Aas. Seine Gänge orientieren sich daran, wo er ergiebige Beute macht. Befinden sich z. B. massenhaft Wiesenschnaken (Tipuliden) in dem oberflächennahen Wurzelfilz von Grünflächen, wird Talpa europaea dort anhaltend graben und fette Beute machen.
Bei längeren Frostperioden geht er in den Untergrund (60 bis 100 cm), weil auch die Würmer sich vor dem Frost in die Tiefe verziehen. Die meisten Maulwurfsgänge befinden sich aber in den oberen 20 Zentimetern des Bodens. Beim Graben werden daher zwangsläufig, aber ohne jede Absicht, immer wieder Pflanzenwurzeln beschädigt oder freigelegt, so daß auch die eine oder andere Kulturpflanze durch Trokkenheit kümmert oder eingeht. Wenn der grauschwarze Samtpelz unter Gemüsebeeten nach Futter sucht, wird er dabei eine Menge Engerlinge, Drahtwürmer und Erdraupen vertilgen, die wiederum selbst weitaus größere Schäden innerhalb der Kulturen anrichten können.
Unser europäischer Maulwurf gehört nach dem Bundesnaturschutzgesetz § 20 e zu den besonders geschützen Tierarten und findet sich deshalb in der Verordnung zum Schutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung 1986) wieder. Das bedeutet, daß Talpa europaea nicht gejagt, verfolgt, verletzt und getötet werden darf.
Seine Haufen dürfen beseitigt werden. Mit speziell zugelassenen, im Fachhandel erhältlichen Vergrämungsmitteln, für die hier nicht sonderlich geworben werden soll, darf er in die Flucht getrieben bzw. zum Nachbarn weitergereicht werden.
Eine gleichermaßen für Maulwürfe und Wühlmäuse angepriesene Vertreibungsmethode setzt auf die Wirkung von Ultraschallwellen, wobei batteriebetriebene Geräte in die Gänge gesetzt werden. Der Erfolg dieser alles andere als preiswerten Methode ist mehr als zweifelhaft, vor allem dann, wenn Gärtner immer wieder berichten, daß der zu verscheuchende Maulwurf in direkter Nähe des High-Tech-Gerätes provokativ neue Haufen hochdrückt.


Gib ihm Saures ...

Dagegen ist ein milchsaures Hausmittel in den letzten Jahren erfolgreich für die "Vertreibung" von Maulwürfen angewandt worden. Hierbei wird ein Gemisch aus Molke und Buttermilch im Verhältnis von 3:1 hergestellt. Wenn davon eine Tasse voll in etwa jeden zweiten oder dritten Maulwurfsgang geschüttet wird, dürfte das dem empfindlichen Rüssel allzusehr stinken, und der Maulwurf wird verschnupft zum Nachbarn abwandern. Früher benutzte, mit Petroleum oder anderen übelriechenden Ölen getränkte Lappen verbieten sich gleichermaßen aus Arten- wie Umweltschutzgründen.
In den meisten Fällen sollte aber schon ein friedliches Miteinander zwischen Maulwurf und Gartenkultur möglich sein. Seine Störmanöver bleiben oft räumlich und zeitlich begrenzt und lassen sich mit wenigen ausgleichenden Bewegungen einer Harke beheben.
Bei allem Ärger, den man schon mal mit seinem "Grabowski" hat, sollte sich jeder Gartenbesitzer klarmachen, daß eine längere Verweildauer des Maulwurfes einem Kompliment an die Güte des Gartenbodens gleichkommt. Denn nur in einem vitalen Boden attestiert der pelzige Wühler durch seine Gegenwart das Prädikat "Besonders wurmvoll!"

Text aus "Der KleinGarten", April 1998

 

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